>> HOMEPAGE

FDP-Pharmalobbyist wird zum Bankräuber

„Eindeutig kriminell war dagegen, wie der frühere Landesvorsitzende und Fraktionsvorsitzende der FDP im rheinland-pfälzischen Landtag, Hans-Otto Scholl, seine persönlichen finanziellen Probleme zu lösen versuchte. Er tat dies nämlich mit vorgehaltener Pistole in einem Juweliergeschäft.

Der promovierte Jurist Scholl war seit 1967 sowohl Landtagsabgeordneter als auch Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der pharmazeutischen Industrie. Im Mai 1974 wurde er überdies Landesvorsitzender der rheinland-pfälzischen FDP. Im Juni 1980 verlor er seinen hoch dotierten Posten bei der Pharma-Lobby wegen Unregelmäßigkeiten in der Geschäftsführung. Wenig später leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Veruntreuung von Verbandsgeldern ein. Obwohl es zu keiner Anklage kam, blieben soviel Verdachtsmomente an Scholl hängen, daß er im Juli 1981 auch vom Amt des FDP-Landesvorsitzenden zurücktrat. Aber schon im Februar 1982 wählte ihn die FDP-Fraktion im Mainzer Landtag überraschend zu ihrem Vorsitzenden. Die weitere Karriere des ehemaligen Pharma-Lobbyisten schien gesichert.

Dann aber stürzte die FDP bei den Landtagswahlen am 6. März 1983 von 6,4 auf 3,5 Prozent ab. Für Scholl war das auch persönlich eine Katastrophe, weil er den Fraktionsvorsitzenden-Posten samt Einkünften verlor. Er war jetzt nur noch Beisitzer im Landesvorstand, Delegierter zum Bundesparteitag und Schatzmeister des FDP-Kreisverbands Ludwigshafen - alles brotlose Ämter, die eher Geld kosteten als welches einbrachten. Da er hoch verschuldet war, nahm er einen Kredit auf, der angeblich für eine "Liberale Aktion" bestimmt war, in Wirklichkeit aber in die eigene Tasche floß. Die Staatsanwaltschaft leitete deshalb im Mai 1984 Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue ein.

Der FDP-Politiker setzte nun alles auf eine Karte: Am 28. Dezember 1984 überfiel er ein Juweliergeschäft in Baden-Baden, wobei er Gegenstände im Wert von 2,3 Millionen Mark erbeutete. Die Polizei kam ihm jedoch bald auf die Spur. Am 5. Januar 1985 wurde Scholl festgenommen. Ein Teil der Beute fand sich in einem Züricher Bankfach, das ihm gehörte. Ferner belasteten ihn die Aussagen von Tatzeugen. Auch die Tatwaffe konnte ihm zugeordnet werden. Obwohl Scholl die Tat weiterhin leugnete und sie einem angeblichen Doppelgänger in die Schuhe zu schieben versuchte, verurteilte ihn das Landgericht Baden-Baden am 27. Dezember 1985 zu acht Jahren Haft.

"Mein lieber Scholli!" entfuhr es dem Parteivorsitzenden Hans-Dietrich Genscher, als er von dem Gangsterstück seines Parteifreundes hörte. Der rheinland-pfälzischen FDP hat die Affäre aber seltsamerweise kaum geschadet: Bei den nächsten Landtagswahlen im Mai 1987 konnte sie ihren Stimmenanteil sogar mehr als verdoppeln und wieder in den Mainzer Landtag einziehen - zu spät freilich für den ehemaligen Fraktionsvorsitzenden Scholl, der inzwischen im Gefängnis statt im Parlament saß.“

Zitiert aus: Udo Leuschner / Geschichte der FDP

Sitemap

 

Volltextsuche auf allen deutschsprachigen Seiten

 Druckbare Seite

Send page to a friend Seite versenden

Bookmark this page Lesezeichen setzen

RSS

>> Natürliche Gesundheit

>> "Geschäft m. d. Krankheit"

>> Internationale Kampagne

>> Dr. Raths Offene Briefe

>> Studien weltweit

>> Studien auf Deutsch

>> Helfen Sie mit!

>> Codex Alimentarius

>> Dossiers

 © 2008 Dr. Rath Health Foundation Send page to a friend contact Printer-friendly page Help Previous document Top of the page Function not available in this page Back to Homepage