Befreiung zur Gesundheit -
Thesenanschlag für eine neue Medizin
Vortrag von Dr. Rath 25. September 1999, Theaterhotel Almelo
Wie die Tiere - Damals -
Wir leben in einer historischen Zeit. Gegenwärtig beginnen die Menschen
weltweit einen der großen Befreiungsschritte der Menschheitsgeschichte:
Die Befreiung unseres Körpers aus der Knechtschaft einer Medizin,
deren Motor das „Geschäft mit der Krankheit“ ist. Die
Befreiung unseres Körpers hin zu einer natürlichen Medizin,
die Krankheiten wirksam und ohne Nebenwirkungen vorbeugt, heilt und in
zukünftigen Generationen unbekannt macht. Unsere Generation schreibt
Geschichte.
Schon einmal in diesem Jahrtausend fand eine ähnlich umfassende
Befreiung statt – die Befreiung des menschlichen Geistes. Millionen
Menschen Europas erkämpften sich – gegen den erbitterten Widerstand
der damaligen Machthaber – das Recht darauf, lesen und schreiben
zu können. Die Befreiung des menschlichen Geistes vor 500 Jahren
beendete die geistige Umnachtung und Verknechtung des Mittelalters und
wurde zur Geburtsstunde der Neuzeit.

Mehr als 80% der Menschen im Mittelalter
lebten als Bauern und Leibeigene in Armut
und als Analphabeten.
Um das Ausmaß dieser Umwälzung, die die Menschheit
für immer veränderte, besser nachvollziehen zu können,
möchte ich Sie einladen auf eine Zeitreise – fünfhundert
Jahre zurück. Kommen Sie mit in eine Zeit, in der Millionen Menschen
von den damaligen Machthabern so arm und so dumm gehalten wurden wie die
Tiere. Von ihren Hausschweinen unterschieden sich die Menschen des Mittelalters
oft nur durch den aufrechten Gang.
Für diese Reise wähle ich die persönliche Anrede, das
“Du“, denn das war damals die Sprache der Menschen untereinander.
Diese Darstellung der Zustände im ausgehenden Mittelalter ist historisch
gemeint und natürlich keine Parteinahme für die eine oder andere
Konfession.
Millionen leben in Armut
Stell Dir vor, Du lebst irgendwo in Deutschland, und man schreibt das
Jahr 1500. Die Wahrscheinlichkeit, daß Du als Kind eines armen Bauern
auf die Welt gekommen bist, ist groß, denn mehr als zwölf Millionen
der insgesamt sechzehn Millionen Menschen, die damals in Deutschland leben,
sind Bauern.
Wenn Du Glück hast, dann gehört Dir ein kleines Stück
Land, aber sehr wahrscheinlich lebst Du, wie die meisten Deiner Nachbarn
und Zeitgenossen, als Leibeigener Deines Fürsten oder als Tagelöhner.
Zwei Drittel Deines ohnehin kargen Einkommens gehen an den Fürsten
und Landbesitzer. Mindestens 10% mußt Du an die Kirche abführen.
Was bleibt, ist zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben.
Die meisten Menschen im Dorf sterben, bevor sie 50 Jahre alt sind. Daß
die durchschnittliche Lebenserwartung eines Tages bei 75 oder 80 Jahren
liegen wird, weißt Du nicht. Das Leben ist hart.
Leben, wie wir es heute führen, gibt es ohnehin nicht. Aber dies
weißt Du nicht, denn tagein tagaus bist Du darum bemüht, Deine
fünf noch lebenden Kinder und Dich selbst zu ernähren. Zwei
Deiner Kinder starben bei der Geburt. Die anderen drei starben, bevor
sie ein Jahr alt waren, und man sagte Dir, Gott hätte sie zu sich
gerufen. Daß es das verseuchte Wasser, im nahegelegenen Teich war,
der gleichzeitig als Waschgelegenheit und Trinkwasserreservat dient, weißt
Du nicht, denn Mikroorganismen und Infektionskrankheiten werden erst einige
Jahrhunderte später entdeckt.

Wie in diesem zeitgenössischen Bild von
Albrecht Dürer lebten Millionen Menschen damals
unter ärmlichsten Verhältnissen.
Zwei Deiner Kinder sind während des letzten Winters
gestorben, der besonders lang war. Im Dezember hatte ihr Zahnfleisch angefangen
zu bluten und mit jeder Brotkruste, die sie kauten, nahm die Blutung zu.
Im Januar war die Haut der Kinder immer blasser geworden, fast weißlich,
und sie waren zu schwach um aufzustehen. Ende Januar waren beide tot.
Aber dies ist keine Ausnahme. Deinen Nachbarn, den Bauern im nächstgelegenen
Dorf geht es genauso. Die meisten Menschen sterben jedes Jahr während
der Wintermonate, nur diesen Winter war es besonders schlimm. Daß
das Massensterben im Winter durch Skorbut und Vitaminmangel verursacht
wird, weißt Du nicht, da auch dieser Zusammenhang erst Jahrhunderte
später entdeckt wird.
Skrupellose Machthaber
Keiner im Dorf fragt nach, warum mehr als die Hälfte
aller Kinder sterben, bevor sie fünf Jahre alt sind. Daß viele
der Kinder verhungert sind, ahnen die Dorfbewohner zwar, aber eigentlich
bist Du ganz froh darüber, daß ihr Leiden zu Ende war und sie
jetzt im Himmel waren. Der Priester tröstete Dich am Grab und versprach
Dir ein Wiedersehen mit Deinen Kindern im Himmel. Allerdings nur unter
der Voraussetzung, daß Du weiter in Bescheidenheit und Gehorsam
gegenüber der Obrigkeit lebst. Deine Trauer ist kurz, denn der Überlebenskampf
geht weiter.
Von morgens bis abends arbeitest Du auf dem Feld. Deine Frau und Deine
Kinder helfen auch mit, denn anders sind die erdrückenden Abgaben
an die weltlichen und geistigen Herrscher gar nicht zu schaffen. Deren
Eintreiber sind erbarmungslos. Wer nicht zahlt, kommt in den Kerker. Viele
Deiner Nachbarn haben ihr Hab und Gut an den Fürsten verloren, weil
ihr Stückchen Land nicht die festgesetzten Steuern hergab. Während
sie im Kerker saßen, wurden ihr Streifen Land und ihre Hütte
enteignet. Für die Familien der Eingekerkerten kam dies einem Todesurteil
gleich. Wer sich nicht durch Betteln am Leben halten konnte, starb eben.
Aber das ist der Lauf der Dinge. Daß es ein abgekartetes Spiel ist
und der Lehnsherr die Steuern absichtlich so hoch gesetzt hat, damit er
sich möglichst viele Landparzellen wegen Zahlungsunfähigkeit
der Bauern aneignen kann, das hältst Du für unvorstellbar.
Das Erdendasein ist eine Mühsal. Dies ist von Gott so gewollt –
sagt die Kirche. Sie sagt Dir auch, daß in Gottes Wort steht, daß
eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, bevor ein Reicher in den
Himmel kommt. Wenn das so ist, so sagst Du Dir, dann ist es am besten,
erst gar nichts besitzen zu wollen. Denn schließlich möchtest
Du auf jeden Fall in den Himmel kommen. Dort im Himmel, so sagt die Kirche,
ist das Land, in dem Milch und Honig fließen. Dort möchtest
Du hin, wenn Du stirbst. Dafür ist kein Preis zu hoch und keine Erdenmühsal
zu schwer.
Jeden Abend sinkst Du totmüde auf Deinen Strohsack neben Deine Frau
und flüsterst leise: Wieder ein Tag weniger auf dem steinigen Weg
ins Paradies. Der Gedanke, daß Deine Armut weniger Gott erfreut
als die weltlichen und geistlichen Herrscher, kommt Dir nicht. Um dies
zu erkennen, müsstest Du alles in Frage stellen, was Du von der Obrigkeit
tagein, tagaus hörst.
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