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Der Lipobay-Skandal

Dokumente beweisen, dass Bayer von den Gefahren des Cholesterin-Medikamentes wusste

New York, – Die mit der Klage gegen den deutschen Pharma-Konzern Bayer betrauten Rechtsanwälte veröffentlichten Dokumente, die darauf hin weisen, dass das Management von Bayer lange vor der Rücknahme vom Markt gewusst habe, dass sein Anti-Cholesterin Produkt Lipobay Krankheit und Tod verursachen kann, berichtete die New York Times.

Dokumente der Firma, darunter E-Mails, Memos und eidesstattliche Aussagen von Angestellten, legen nahe, Bayer habe mit der Werbung für das Medikament fortgefahren, obwohl eine interne Analyse bei Lipobay-Patienten einen selten auftretenden Zerfall von Muskelzellen festgestellt hatte, der bei alternativen Produkten nicht auftrat, so die Zeitung.

Dieses Rhabdomyolysis genannte Phänomen verursacht die Auflösung von Muskelzellen, deren Inhaltsstoffe sich dann mit dem Blut vermischen. Selbst relativ harmlose Fälle können schwere Schmerzen und Muskelschwäche auslösen, in schweren Fällen kann es zu Nierenversagen, Paralyse und Tod kommen.

Etwa 100 Tote und 1600 Verletzte weltweit werden mit Rhabdomyolysis, das vom Medikament ausgelöst wird, in Zusammenhang gebracht, wenn man die regulären Archiveinträge von Bayer zugrunde legt. Nach Angaben von Bayer nahmen zumindest sechs Millionen Menschen das Medikament, bevor es 2001 vom Markt genommen wurde, als die US-Nahrungs- und Medikamentenbehörde schwere Bedenken anmeldete.

Cirka 7800 Verfahren wurden bisher gegen Bayer und seinen britischen Marketingpartner GlaxoSmithKline eingeleitet, das erste begann am Dienstag in Corpus Christi, Texas, USA.

Randy Hopper, Anwalt der geschädigten Antragsteller, gab an, das von der New York Times zitierte Dokument sei während der Anhörung am 7. und 8. Februar vor dem Bundesgericht in Minneapolis genutzt worden. An die Presse seien Kopien gegangen. Der Bezirksrichter Michael Davis in Minneapolis entscheide noch, ob die Fälle als Sammelklage weiterlaufen sollen.

Bayer und GlaxoSmithKline streiten jegliche Verantwortung ab und Bayer weist darauf hin, die meisten der Klagenden hätten keine Verletzungen erlitten. Dennoch haben beide Firmen nach Angaben von Anwälten der Klagenden bereits Schadensersatz in mehr als 400 Fällen gezahlt, dessen Höhe jeweils zwischen 200 000 und 1,2 Millionen US-$ beträgt.

Ein Brief der Gerichtsunterlagen zeigt, das Höhere Management von Bayer und GlaxoSmithKline wusste bereits seit 1997 – ein Jahr bevor der Verkauf von Lipobay begann – höhere Dosierungen des Medikamentes könnten für Patienten größere Probleme als kleinere Dosierungen auslösen. In niedrigeren Dosen war Lipobay allerdings weniger effizient als ähnliche Medikamente der Wettbewerber.

Rechtsanwalt Philip S. Beck, der Bayer vertritt, sagte, die Firma habe Arztberichte über Lipobay überwacht, diese Berichte den Aufsichtsbehörden zur Verfügung gestellt und wiederholt den Warnungen auf der Packung beigefügt. Beck führte weiter aus, Bayer sei davon ausgegangen, Lipobay sei sicher, wenn es gemäß den Angaben verschrieben werde. Bayer habe das Produkt vom Markt genommen, weil Ärzte Lipobay nicht wie angegeben verwendet hätten.

Am 27. Juni 1997, einen Tag nachdem die staatliche Zulassungsbehörde FDA Lipobay genehmigt hatte, schrieb ein Angestellter von SmithKline Beecham – das später mit Glaxo fusionierte – an einen Angestellten von Bayer, er habe „schwerwiegende Bedenken“ wegen Lipobay, was aus den Auszügen des Briefes, der den Gerichtsunterlagen beiliegt, hervorgeht.

Jerry Karabelas, stellvertretender Vorstandsvorsitzender für Pharmazeutika bei SmithKline Beecham, schrieb, Lipobay erscheine nicht stärker als ein vergleichbares Medikament der Konkurrenz, aber es „löse Medikamentenreaktionen aus, die bei hohen Dosierungen schwerwiegend sein könnten.“

„Einfach und sicher scheint nicht mehr länger eine gangbare Form der Werbung zu sein“, schrieb Karabelas. Fred T. Magaziner, ein Rechtsanwalt, der GlaxoSmithKline vertritt, gab an, Karabelas habe über Medikamentenreaktionen geschrieben, von denen später belegt wurde, dass sie kein Problem seien.

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