>> HOMEPAGE

LEKTIONEN AUS DER GESCHICHTE

Gewaltsame Revolution ist niemals die Antwort – Thomas Müntzer

von MIRJA HOLTROP und PAUL ANTHONY TAYLOR

Der aus Sachsen-Anhalt gebürtige Thomas Müntzer (1489-1525) erhielt eine akademische Ausbildung und entschied sich sehr früh dazu, sein Leben und Wirken in den Dienst Gottes und der Menschen zu stellen. Schon bevor er seinem Mentor Martin Luther begegnete, hatte sich Müntzer von der katholischen Kirche distanziert. Ihm missfiel, dass die Ungleichheit, wie sie zwischen den armen Menschen und dem Klerus bestand, nur unzureichend angegangen wurde. Dies ließ ihn zu einem radikalen Prediger werden mit bedeutendem Einfluss auf die Anfangsjahre der Reformation.

Müntzer traf Martin Luther in Wittenberg im Jahre 1517 und zwischen ihnen entwickelte sich eine enge Freundschaft. Im Kontakt mit Luthers Ideen wurde Müntzer zu einem vehementen Unterstützer von dessen Kampf gegen die katholische Kirche und deren so genannten „Ablass“. Dieser institutionelle Ablasshandel war damals eines der Hauptwerkzeuge zur Finanzierung der Kirche: indem ihr die Gläubigen Geld überließen, sollte ihnen angeblich beim Jüngsten Gericht bestimmte Sündenstrafen erlassen werden. Derlei Zahlungen, so wurde ihnen verkündet, würden die Leiden im Fegefeuer reduzieren oder ganz aufheben, so dass die Seele rascher in den Himmel gelange.

Luther war von Müntzers Unterstützung und seinem Mut beeindruckt. Er sah in ihm jemanden, der ihm bei der Verbreitung seines Ideals von einer gerechteren Welt zur Seite stehen konnte, einer Welt, in welcher die Zugangsmöglichkeiten des Menschen zum Himmel unabhängig davon waren, über wie viel Geld er verfügte, sondern allein von dessen Herzensgüte abhingen.

1520 wurde Müntzer von Luther für das Amt eines Predigers in Zwickau empfohlen, und vielleicht trug auch die damit einhergehende räumliche Trennung dazu bei, dass sich die Vorstellungen beider auseinander zu entwickeln begannen. Für Luther war die Ungleichheit innerhalb der Christenheit von Gott gegeben. Nach seiner Auffassung war es kein Unrecht, dass die einen von vornherein zu einem Leben als Bauer geboren wurden, die anderen jedoch als Prinzen. Müntzer allerdings stellte dieses Prinzip in Frage. Er sah jeden Menschen als gleich berechtigt an und glaubte, dass Bettelleute nicht weniger Wert waren denn Könige. Luther empfand diese Ideen als zu radikal und entzog Müntzer schließlich seine Unterstützung.

Statue von Thomas Müntzer

Bild: Von Michael Sander (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Doch anders als Müntzer genoss Luther einen entscheidenden Vorteil. Er wusste um seinen Schutz durch einflussreiche Personen, mit denen er zuvor für beiderlei Seiten günstige Beziehungen aufgebaut hatte. Deutlich zum Ausdruck kam dies als er 1521 zum Reichstag nach Worms zitiert wurde, um sich dort zur Veröffentlichung seiner inzwischen bekannten 95 Thesen zu erklären; ohne den Beistand von Kurfürst Friedrich III., dem Herrscher Sachsens, würde Luther die über ihn verhängte Reichsacht nicht überlebt haben. Entsprechend setzte sich Luther mit Nachdruck dafür ein, dass die Reformation auf gewaltlose Weise zu erfolgen habe, und er bat die Machthaber gleichermaßen darum, gegenüber den Bauern friedlich zu bleiben.

Münzers Leben nahm einen anderen Weg. 1523 ging er nach Allstedt. Mittlerweile bekannt für seine radikalen Predigten gewann er immer mehr Anhänger. Er heiratete die ehemalige Nonne Ottilie von Gersen, und beide hatten einen Sohn. Doch bald wurde er für die Machthaber zu einer Bedrohung und musste fliehen. Er zog umher, verbrachte Zeit in Mühlhausen, in Nürnberg, in Basel und dem Hegau.

Im Februar 1525 kehrte Müntzer nach Mühlhausen zurück und erklärte den aufständischen Bauern, sie seien „Werkzeuge Gottes“, die die Welt zum besseren verändern könnten. In seinen Augen war es klar, dass die Reformation nicht allein mit friedlichen Mitteln umgesetzt werden könne und dass der Klerus keine seiner Privilegien freiwillig aufgeben würde. Er ermunterte die Bauern daher dazu, ein Heer zu bilden und für ihre Rechte zu kämpfen. Er war davon überzeugt, dass nur mithilfe „des Schwertes“ ein Prozess der Reinigung des mächtigen Klerus zu erzwingen und alles Unrecht dieser Welt zu bezwingen sei. Aber im Laufe der Schlacht, die schließlich am 15. Mai 1525 bei Bad Frankenhausen stattfand, verloren insgesamt 6000 Bauern ihr Leben.

Nach seiner Niederlage wurde Müntzer gefangen genommen und nach Mühlhausen verbracht, wo er zum Tode verurteilt wurde. Am 27. Mai 1525 wurde er, nach Folter, hingerichtet.

Standhaft und mutig blieb Müntzer bis zu seinem letzten Atemzug und war überzeugt, im Dienst der Menschen gehandelt zu haben. Jedoch die Zeit, um jene idealistische Weltordnung umzusetzen, in welcher alle Menschen als von Grund auf gleich angesehen und mit denselben Rechten ausgestattet anerkannt werden, sie war noch nicht gekommen. Angesichts dessen, dass eine solche Welt noch bis heute einer Umsetzung harrt, könnte man meinen, Müntzer sei ganze Jahrhunderte vor seiner Zeit geboren.

Müntzers Scheitern ruft uns in Erinnerung, dass Gewalt, egal wie sehr wir uns mit einer Sache im Recht wissen, niemals die Antwort sein kann. Stattdessen kann unser Übergang in eine Welt der Gesundheit, des Friedens und der sozialen Gerechtigkeit nur durch eine friedliche Umwälzung bewerkstelligt werden, eine Revolution, die auf Bildung und Aufklärung unserer Mitmenschen basiert. Packen genügend von uns bei dieser großartigen Herausforderung mit an, gelingt es uns, eine bessere, fairere Welt für alle Menschen zu schaffen.

14. März 2017

Sitemap

Was ist neu:

David Rockefeller mit 101 verstorben: Nachrufe in den Medien unterschlagen seine zentrale Rolle in der Bilderberg-Gruppe

Hochdosierte B-Vitamine haben laut Studie Schutzwirkung gegen verschmutzte Luft

LEKTIONEN AUS DER GESCHICHTE: Gewaltsame Revolution ist niemals die Antwort – Thomas Müntzer

Neue Hiobsbotschaften für die Pharma: Bisphosphonat-Medikamente gegen Osteoporose SCHWÄCHEN die Knochen!

Gesunde Haare durch Mikronährstoffe

Weltweite Studien zeigen: Hochdosierte B-Vitamine reduzieren Schizophrenie-Symptome

Aufgedeckt: US-Verteidigungsministerium bearbeitet Wikipedia-Artikel

>> Natürliche Gesundheit

>> "Geschäft m. d. Krankheit"

>> Internationale Kampagne

>> Dr. Raths Offene Briefe

>> Studien weltweit

>> Studien auf Deutsch

>> Helfen Sie mit!

>> Codex Alimentarius

>> Dossiers

>> Sitemap

Dr. Rath Health Foundation auf Facebook Dr. Rath Health Foundation auf YouTube Dr. Rath Health Foundation auf Twitter RSS
 © 2017 Dr. Rath Health Foundation | Kontakt | Impressum | RSS Feed