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Anfang vom Ende des Pharma-Kartells: Eine Industrie am Rande des völligen Niedergangs

von PAUL ANTHONY TAYLOR

Dr. Kelvin Stott ist leitender Portfolio-Manger beim Schweizer Pharmakonzern Novartis aus Basel. Mit seinen Blog-Posts vom November 2017 und Mai 2018 versetzte er Anleger und Investoren in Alarmstimmung. Denn seiner Einschätzung nach ist die pharmazeutische Industrie „am Rande des völligen Niedergangs“. Er erläuterte, dass die Erträge aus Forschung und Entwicklung (F&E), die derzeit bei 3,2 Prozent liegen, im Jahr 2020 möglicherweise auf Null sinken könnten. Das bedeutet, dass jedem Dollar, der für F&E ausgegeben wird, dann bloß noch ein Dollar an Einnahmen gegenübersteht. Oder anders gesagt, bei der Pharmaindustrie handelte es sich nicht länger um ein profitables Geschäft. Die Brisanz dieser Aussage wird kaum dadurch entschärft, dass das Wirtschaftsmagazin Forbes Stotts Bewertung teilt. Auf deren Webseite heißt es, Stotts Daten „entsprechen der Beobachtung praktisch jedes ernsthaften Forschers, der sich die Industrie ansieht“. All dies impliziert, dass der Anfang von Ende des ‚Geschäfts mit der Krankheit’ immer absehbarer ist.

Stott weiß um die Abhängigkeit des Geschäftsmodells der Pharmaindustrie von Investitionserlösen. Als Insider nimmt er zugleich das Scheitern dieses Modells zur Kenntnis. Seine Analyse ist eine Bestätigung dessen, was Dr. Rath und unsere Stiftung seit Jahren schon sagen, nämlich dass die Pharmaindustrie keine Gesundheits-, sondern eine Investmentindustrie ist und folglich von den Profiterwartungen ihrer Teilhaber gesteuert wird. Den Rückgang der Investitionserträge im Kernbereich der Forschung und Entwicklung begründet Stott mit mehreren Faktoren: schwindenden Erfolgsraten bei der Entwicklung neuer Medikamente, steigenden Kosten für klinische Versuche, einem strengeren Umfeld bei der Zulassung und einer wachsenden Konkurrenz durch Generika-Hersteller, welche die einstmals durch Patente geschützten Medikamente mit preiswerteren Nachahmerprodukten aus dem Markt drängen.

All dies zusammengenommen, prognostiziert Stott in der gesamten Pharmabranche Abstürze bei den durchschnittlichen Investitionserlösen, und zwar innerhalb der nächsten zwei, drei Jahre. Bis 2040 könnten die jährlichen Umsätze der globalen Pharmaindustrie insgesamt auf das Niveau von 1990 zurückgefallen sein. Das entspräche einer Reduzierung der Erträge um 90 Prozent. Stott nennt das Geschäftsmodell der Pharmaindustrie „zerrüttet“. Das ist umso bezeichnender, indem er hinzufügt, das Modell „betritt einen Teufelskreis negativen Wachstums und da ihm im Kernbereich die Puste ausgeht, gerät es in den endgültigen Niedergang“. Er zieht den Schluss, dass die Industrie „nicht ewig existieren wird“, sie müsse sich „anpassen oder zugrunde gehen“.

Aus und Vorbei für die Pharma

Wenn Stott die verzweifelte Situation hervorhebt, in der sich die Pharmaunternehmen befinden, ist seine Anmerkung aufschlussreich, die pharmazeutische Industrie brauche „einen großen Durchbruch genau jetzt, im Jahr 2018“. Aber selbst dann werde sie weiterhin „einem erheblichen Schrumpfungsprozess entgegensehen, bevor sie sich jemals wieder erhole“, sagt er, und „alles andere [als ein sofortiger Durchbruch] wäre zu wenig und käme zu spät, um die Industrie vorm endgültigen Niedergang zu bewahren“.

Letzten Endes liegt natürlich genau hier die Krux. Denn das Hoffen und Harren der Pharmainvestoren auf den großen Durchbruch ist ganz offensichtlich unvereinbar mit dem profitorientierten Ansatz der Industrie: mit ihren Medikamenten lediglich Symptome zu lindern oder zu kaschieren, die Krankheiten jedoch als lukrativen Markt zu erhalten. Gehen wir davon aus, dass Stott mit seiner Analyse richtig liegt – was, wie Forbes sagt, „der Beobachtung praktisch jedes ernsthaften Forschers entspricht, der sich die Industrie ansieht“ –, dann könnte sich bald ein außerordentliches Umdenken in der Ausrichtung unserer gegenwärtigen Gesundheitssysteme abzeichnen.

Aus Sicht der Wissenschaft gibt es zu einer solchen Umwälzung ohnehin keinen Widerspruch, denn längst stehen seitens der Ernährungsforschung und Zellular Medizin präventive Strategien und wirksame Therapien zur Verfügung. Basierend auf diesen wissenschaftlich begründeten Naturheilverfahren, die mit der Beseitigung von Mikronährstoff-Defiziten gerade die Ursachen chronischer Krankheiten angehen, wären wir imstande, jene „Volkskrankheiten“, die, wie Herzkreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes, heute die Haupttodesursachen ausmachen, rasch unter Kontrolle zu bringen. Der finale Niedergang der Pharmaindustrie hat also das Potential, Anstoß für die Errichtung einer wirklich präventiven Gesundheitsversorgung zu sein, die Millionen Menschenleben rettet. In dieser Hinsicht ist es bemerkenswert, dass Stott im Zuge seiner Analyse der aktuellen Situation Darwins Evolutionstheorie anführt und zu verstehen gibt, dass deren zentrales Prinzip ebenso gut für Unternehmen und Industrien gilt wie für die biologischen Arten:

Weder sind es die stärksten Spezies, die überleben, noch sind es die intelligentesten; es sind die anpassungsfähigsten.

Da aber die Pharmaindustrie immer wieder ihre Unfähigkeit an den Tag gelegt hat, ihr Geschäftsmodell dahingehend zu ändern, dass fortan die tatsächlichen Ursachen chronischer Krankheiten angegangen werden, scheint ihr totaler Niedergang unausweichlich. Die vielfältigen Auswirkungen dieser Veränderung mögen weitreichend sein. Gleichzeitig beschleunigen sie die Umsetzung unseres Ziels Gesundheit für alle, einhergehend mit der Reduzierung der heute epidemieartig verbreiteten Volkskrankheiten auf einen Bruchteil des jetzigen Standes. Es wird Pharmainvestoren sicher nicht beglücken, doch die nächsten paar Jahre könnten den Übergang in eine gesündere Welt markieren.

18. September 2018

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