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Interview mit Dr. Paul E. Marik – dem Arzt, der sagt, Patienten mit einem septischen Schock haben Skorbut

von PAUL ANTHONY TAYLOR

Mit jährlich bis zu 8 Millionen Toten weltweit gehört die Blutvergiftung zu den häufigsten Todesursachen bei Patienten im Krankenhaus. Mehr als 100 klinische Arzneimitteltests brachten im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte keine Verbesserung im Überleben der Sepsis-Erkrankten. Die Sterblichkeitsrate bei einem septischen Schock, einer schweren Form der Blutvergiftung, blieb bei 50 Prozent. Bis Dr. Paul E. Marik, Arzt auf der Intensivstation an der Eastern Virginia Medical School in den Vereinigten Staaten, eine Behandlung entwickelte, die beachtliche Ergebnisse aufweist. Im letzten Jahr publizierten er und seine Kollegen im Fachmagazin Chest eine Studie, die beschreibt, wie 47 Patienten die Sepsis mithilfe einer intravenös verabreichten Kombination von Vitamin C, Vitamin B1 sowie dem Hormon Hydrocortison überlebten, während nur 4 Betroffene an der Erkrankung verstarben.

In einer weiteren Veröffentlichung machen sie auf die Beobachtung aufmerksam, dass ein Anteil von etwa 40 Prozent der Patienten auf der Intensivstation extrem niedrige Vitamin-C-Gehalte im Serum haben, so wie man es auch von der akuten Mangelkrankheit Skorbut kennt. Die Beseitigung dieses Defizits durch die gezielte Zufuhr von Vitamin C, synergistisch unterstützt durch Vitamin B1 und geringen Mengen an Kortikosteroiden, erkläre den klinischen Erfolg, so Dr. Marik. Leider seien sich die meisten Ärzte kaum im Klaren darüber, dass Primaten und Meerschweinchen die einzigen Säugetiere sind, deren Stoffwechsel außerstande ist, Vitamin C herzustellen. Den Menschen mache diese Unfähigkeit zur Eigensynthese jenes Schlüsselvitamins äußerst anfällig für Störungen bei einer ganzen Reihe von biochemischen Stoffwechselwegen, die aber für das Überleben schwerer Erkrankungen wie der Sepsis entscheidend sind.

Trotz seines dichten Kalenders fand Dr. Marik vor kurzem Zeit für ein Interview mit Paul Anthony Taylor.

PT: Könnten Sie uns etwas Ihren Hintergrund schildern und was den Anstoß gab, Ihr Interesse auf die Anwendung von Vitamin C zur Behandlung der Sepsis zu lenken?

DR. MARIK: Ich habe meine medizinische Ausbildung und Assistenzzeit in Südafrika absolviert. In den USA bin ich seit mehr als 25 Jahren an verschiedenen Universitätskrankenhäusern tätig gewesen und Facharzt für Innere Medizin und für Intensivmedizin. Über die Eignung von Vitamin C bei Patienten mit Blutvergiftung las ich zuvor in der wissenschaftlichen Literatur und es war Glück, dass ich in der Lage war, diese Behandlung erfolgreich bei einem Patienten anwenden zu können, der aufgrund dieser Erkrankung im Sterben lag. Der Erfolg gab den Impuls dazu, hiermit fortzufahren.

PT: Waren Sie angesichts dieses beeindruckenden Erfolgs überrascht davon, dass der synergistischen Vitamin C/Vitamin B1/Kortikosteroid- Kombination skeptisch begegnet wurde, ja dass dem Ansatz sogar ausgesprochener Widerstand entgegenschlug, etwa von Seiten einiger Kreise der Medizin und in den Medien?

DR. MARIK: Ich war etwas überrascht von den Anfeindungen und den unprofessionellen Reaktionen, die ich von einer Reihe von sogenannten Sepsis-Spezialisten erhielt. Eine wissenschaftliche Debatte ist hilfreich, aber sie sollte nicht rachsüchtig geführt sein und ins Persönliche gehen.

PT: Neue wissenschaftliche und medizinische Ideen stießen bei Verfechtern des Altangestammten oft auf heftige Ablehnung. Vor diesem Hintergrund, denke ich, Sie befinden sich – historisch gesehen – in guter Gemeinschaft?

DR. MARIK: Es ist nicht ungewöhnlich, dass neue Ideen vom medizinischen Establishment belächelt werden, wenngleich sie sich später als Behandlungsstandard durchsetzen. Der österreichische Arzt Ignaz Semmelweis wurde als verrückt angesehen und in eine Heilanstalt verfrachtet, wegen seiner im Jahr 1847 geäußerten Empfehlung, durch das Waschen der Hände ließe sich die Übertragung der Sepsis verringern. Weniger lang ist es her, als die Erkenntnis der australischen Wissenschaftler Barry Marshall und Robin Warren für absurd erklärt wurde, das Bakterium Helicobacter pylori könne Magengeschwüre hervorrufen; heute ist dies eine mehrfach bestätigte Tatsache.

PT: Ihre neuartige Herangehensweise bei der Sepsis-Behandlung stellt sicherlich eine solche wegweisende Änderung dar. Daraus ergibt sich ein ethischer Anspruch, diese Information so schnell und weit wie möglich zu verbreiten, besonders unter Klinikärzten. Wie viele Krankenhäuser kennen Sie, die diesen Ansatz bis jetzt übernommen haben, oder inwiefern würden Sie sagen, dass wir noch ein Ganzteil davon entfernt sind, bis diese neue Behandlung zum Standard wird?

DR. MARIK: Genutzt wird dieser Ansatz weltweit, allerdings ist die Zahl jener, die dies anwenden, schwer zu bestimmen. Sobald der Nutzen dieser Behandlung anhand von randomisiert-kontrollierten Studien etabliert ist, werden es meines Erachtens insgesamt mehr werden, die so vorgehen.

PT: Glauben Sie, dass sich die Kombination von Vitamin C, Vitamin B1 und Corticosteroiden oder Variationen dessen vielleicht auch bei anderen schweren Erkrankungen, die Sie aus der Intensivmedizin kennen, als nützlich erweisen könnte?

DR. MARIK: Ja, ich denke, dass diese Behandlung bei anderen akuten entzündlichen Erkrankungen eine Rolle spielen könnte. Wir haben Patienten mit Pankreatitis erfolgreich damit behandelt und auch solche mit akutem Atemnotsyndrom, ohne dass sie an einer Sepsis litten. Wir beabsichtigen, die Behandlung an Patienten mit kardiopulmonaren Bypass zu erproben. Außerdem bin ich mir sicher, dass die Behandlung beim Erhalt von Organfunktionen von Bedeutung sein wird, also bei Patienten, die sich einer Transplantation der Niere, der Lunge, des Herzens usw. unterziehen.

PT: In einem Ihrer Vorträge, den ich mir online anschaute, sprechen Sie über einen klinischen Versuch, der zeigt, dass Vitamin C imstande ist, die Gemütsverfassung bei Notfallpatienten zu verbessern. Zudem sagen Sie, dass der Vitamin-C-Spiegel von jemandem, der ins Krankenhaus kommt, erniedrigt ist. Wenn wir über die Intensivmedizin hinaus, auf andere medizinische Bereiche schauen, würden Sie sagen, dass die potentiellen klinischen Einsatzmöglichkeiten für Vitamin C weitaus größer sind, als die meisten Ärzte bislang meinen?

DR. MARIK: Ja, ich denke, dass Vitamin C (besonders in oraler Form) Anwendung haben könnte bei anderen Beschwerden, etwa Depression, Asthma oder Allergien, ebenso wie bei Patienten mit einem akuten Delirium. Jedoch steht die wissenschaftliche Evaluation bei diesen gesundheitlichen Störungen noch aus. 

PT: Umfragen haben wiederholt gezeigt, dass Medizinstudierende im Rahmen ihrer Hochschulausbildung nur sehr wenig über Ernährung erfahren. Ein jüngeres Beispiel dafür ist eine Untersuchung, die 2015 publiziert wurde und bei der 121 Medizinschulen in den Vereinigten Staaten betrachtet wurden. Heraus kam, dass innerhalb eines vier Jahre umfassenden Curriculums im Schnitt bloß 19 Stunden über Ernährung die Rede ist. Über ein Drittel der untersuchten Ausbildungsstätten bieten 12 oder sogar noch weniger Lehrstunden über die Rolle der Ernährung an, derweil zwölf Hochschulen tatsächlich ohne jegliche Wissensvermittlung über die Bedeutung von Nährstoffen auskommen. Angesichts der sich daraus ergebenden Wissenslücken bei den Ärzten, besonders im Hinblick auf die Wirksamkeit von Vitamin C bei schweren Erkrankungen, würden Sie der Einschätzung zustimmen, dass Nährstoffe einen weitaus höheren Stellenwert in der medizinischen Ausbildung bekommen müssten als gegenwärtig der Fall, um angehende Ärzte die Folgen von Vitamindefiziten erkennen zu lassen?

DR. MARIK: Ja, absolut. Ernährung wird beinahe vollkommen ignoriert im medizinischen Lehrplan. Darüber hinaus herrscht an fast allen Kliniken nur ein sehr geringes Verständnis über die Rolle von Vitamin C im Wechselspiel von Gesundheit und Krankheit, und es besteht kaum Wissen über die lebenswichtige Bedeutung von Vitamin C bei der Sepsis und bei anderen entzündlichen Erkrankungen.

PT: Vielen Dank, Dr. Marik, wir sehen dem weiteren klinischen Fortgang Ihrer Arbeit mit großen Interessen entgegen.

10. April 2018

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