>> HOMEPAGE

Ungeklärte Geburtsdefekte in Frankreich mehren den Verdacht auf Vertuschung durch Pestizid-Industrie

von PAUL ANTHONY TAYLOR

Unlängst machten in den französischen Medien Berichte die Runde, dass in bestimmten Gebieten des Landes außergewöhnlich viele Fälle von Neugeborenen ohne Arme, Unterarme oder Hände auftraten. Die nationale Gesundheitsbehörde Santé Publique France nahm eine Untersuchung auf, fand allerdings keine Ursache für die Mißbildungen der Babys heraus. Einziges verbindendes Merkmal ist, dass deren Mütter alle in sehr ländlichen Gebieten leben. Die offiziellen Ermittlungen wurden daraufhin eingestellt und es heißt seltsamerweise, weitere Untersuchungen seien nicht möglich. Dies nun bringt die betroffenen Eltern erst Recht auf und sie fordern umso dringlicher Antworten ein. Besonders vor dem Hintergrund, dass bei Santé Publique France das Problem schon mindestens seit dem Jahr 2011 bekannt war, wächst nun bei immer mehr Menschen der Verdacht, dass bald ein größerer Pestizid-Skandal dahinter zum Vorschein kommen könnte, den die Industrie zu verschleiern bestrebt ist.

Zwischen 2007 und 2017 wurden in drei ländlichen Gebieten Frankreichs insgesamt 13 Babys geboren mit auffälligen körperlichen Fehlbildungen. Remera, eine öffentliche Einrichtung, die Fällen von Mißbildung nachgeht, gibt an, die Zahl der hiervon betroffenen Babys sei in einer bestimmten Region, dem Department Ain, 58-mal höher als der nationale Durchschnitt in Frankreich.

Die drei Gebiete umfassen die Gemeinde Mouzeil im westlichen Department Loire-Atlantique, wo 3 Kinder mit Geburtsdefekten zwischen 2007 und 2008 zur Welt kamen; die Gemeinde Druillat im Department Ain, im Osten des Landes, wo 7 betroffene Kinder in den Jahren zwischen 2009 bis 2014 geboren wurden, und die Gemeinde Guidel, wieder ganz im Westen, in der Bretagne, wo 3 Kinder mit diesen Problemen im Jahr 2015 geboren wurden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass alle 13 Fälle lediglich Zufall sind, ist Remera zufolge „verschwindend gering“. Sie gehen vielmehr davon aus, dass Pestizide aus der Landwirtschaft der wahrscheinlichste Urheber sind. Unterstützt wird diese Vermutung durch die Tatsache, dass es in Chalamont, einer anderen Ortschaft im Department Ain, mehrere Fälle von missgebildeten Kälbern gab, die ohne Schwänze und Rippen geboren wurden.

Aus der Geschichte lernen

Die Vorwürfe, die Ursachen der Geburtsdefekte würden unter den Teppich gekehrt, können von den französischen Behörden nicht so einfach von der Hand gewiesen werden. Denn erstens brauchen wir uns nur an den Contergan-Skandal der 50er/60er Jahre erinnern, um zu wissen, dass Hersteller chemischer Substanzen, trotz eindeutiger Beweise für die krankmachenden Wirkungen ihrer Produkte, völlig unverdrossen den Versuch unternehmen, dieses Problem zu verschleiern. Dass Unternehmen dabei durchaus mit der Unterstützung von Behörden rechnen können, ist ebenfalls kein Geheimnis.

Thalidomid, der Wirkstoff des Medikaments Contergan, wurde von der Firma Grünenthal entwickelt und nach erfolgter Zulassung seit Ende der 50er Jahre als mildes Schlafmittel vermarktet. Als absolut harmlos beworben, wurde Thalidomid auch Schwangeren verabreicht mit der Begründung, damit ließe sich morgendliche Übelkeit reduzieren. Schließlich jedoch musste es vom Markt genommen werden, nachdem einige Jahre später herauskam, dass die Substanz für die Geburt von Babys mit fehlgestalteten Gliedmaßen verantwortlich ist – ein Skandal, der weltweit Aussehen erregte.

Insgesamt kamen rund um den Globus 10000 Kinder mit körperlichen Deformationen zur Welt, weil deren Mütter Thalidomid angewendet hatten. Schätzungsweise weitere 90000 Frauen erlitten infolgedessen Fehlgeburten. Bemerkenswert ist, dass Grünenthal geheimen Aufzeichungen zufolge, welche die australische Zeitung Sydney Morning Herald erhalten hatte, die Warnungen, das Medikament sei toxisch und könne zu Geburtsschäden führen, wiederholt ignoriert und vertuscht hatte. Selbst als das Unternehmen immer mehr mit Anfragen konfrontiert wurde, in denen Probleme mit dem Medikament benannt wurden, hielt Grünenthal vor der Öffentlichkeit seine Behauptung aufrecht, das Medikament sei sicher. Bis auf den heutigen Tag bleiben in Deutschland und andernorts Anschuldigungen laut, Regierungen hätten entscheidende Beweise im Zusammenhang mit diesen Vorgängen unterdrückt.

Pestizide üben „vielfältige negative Effekte“ auf den Ausgang von Geburten aus

Es gibt bereits umfangreiche Beweise dafür, dass Pestizide Geburtsschäden hervorzufen können. Eine große Studie, die 2017 veröffentlicht wurde, fand heraus, dass eine verhältnismäßig starke Exposition, wie sie bereits zustande kommen kann, wenn man in der Nähe von Agrarflächen lebt, auf denen solche Chemikalien ausgebracht werden, für Frauen ein bis zu 9 Prozent erhöhtes Risiko für bedeuten kann, ein missgebildetes Baby auf die Welt zu bringen. Die in der Fachzeitschrift Natur Communications erschienene Studie untersuchte akribisch eine halbe Million Geburtsakten von Menschen, die zwischen 1997 und 2001 in der Region des kalifonischen San-Joaquin-Tals geboren wurden, einem stark durch Landwirtschaft geprägten Großraum. Die Forscher der Universität Kalifornien in Santa Barbara sahen klare Belege für „vielfältige negative Effekte“, die von Pestiziden im Hinblick auf den Ausgang von Geburten ausgehen, wenn die werdenden Mütter in der Nachbarschaft solcher Felder lebten.

Trotz Vorliegens dieser und anderer signifikanter Forschungsergebnisse behaupten Pestizidhersteller noch immer, es gäbe keine Beweise, dass diese giftigen Chemikalien Geburtsdefekte verursachen können. Ihre Motivation dafür ist klar: Sie tun dies wegen ihrer wirtschaftlichen Interessen, zugunsten des Erhalts ihrer Profite und um sich vor juristischen Verfahren zu schützen. Hinter den Kulissen jedoch ist sich die Chemieindustrie sehr wohl darüber im Klaren, dass sich Wissenschaft und öffentliche Meinung rasch gegen sie entwickeln. Und so mag sich die französische Gesundheitsbehörde im Moment noch der Illusion hingeben, sie könne weitere Nachforschungen über die ungeklärten Geburtsdefekte einfach so abwiegeln, indem sie vorgibt, diese seien nicht möglich. Tatsächlich bestehen wenig Zweifel, dass der schiere Druck, einerseits durch eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen, die die mit den Pestiziden verbundenen Gefahren noch weiter untermauern, anderserseits durch die zunehmende öffentliche Empörung, letztlich dazu führen wird, diese anrüchige Hinhaltetaktik zu durchbrechen.

16. Oktober 2018

Sitemap

Was ist neu:

Arzneimittelverschmutzung beeinträchtigt Nahrungskette, Wasserversorgung und Umwelt

Höhere Vitamin-D-Spiegel sind einer Studie zufolge mit besserer sportlicher Leistungsfähigkeit verknüpft

Krebspatientinnen erleiden laut einer Studie mehr Nebenwirkungen durch die Chemo-Giftkur

Ungeklärte Geburtsdefekte in Frankreich mehren den Verdacht auf Vertuschung durch Pestizid-Industrie

Mikronährstoffe sind notwendig für ein gesundes Skelettsystem

Die Vorteile von Mikronährstoffen: Wundheilung und gesunde Haut

Neue Studie erkennt in vitaminreicher Mittelmeer-Diät das Potential zur Vermeidung von Depressionen

Die Vorteile von Mikronährstoffen bei Borreliose: Teil 2

Die Vorteile von Mikronährstoffen bei Borreliose: Teil 1

Anfang vom Ende des Pharma-Kartells: Eine Industrie am Rande des völligen Niedergangs

Neue Studie bezieht potentiell tödliche Muskelerkrankung auf cholesterinsenkende Medikamente

Osteoporose natürlich vorbeugen und ohne Medikamente kontrollieren

» Natürliche Gesundheit

» "Geschäft m. d. Krankheit"

» Internationale Kampagne

» Dr. Raths Offene Briefe

» Studien weltweit

» Studien auf Deutsch

» Helfen Sie mit!

» Codex Alimentarius

» Dossiers

» Sitemap

Dr. Rath Health Foundation auf Facebook Dr. Rath Health Foundation auf YouTube Dr. Rath Health Foundation auf Twitter RSS
 © 2018 Dr. Rath Health Foundation | Kontakt | Impressum | Datenschutzerklärung | RSS Feed