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Wenn Arzneimittel verpflichtend werden: Pharma stiftet Gerichte dazu an, Opiod-Abhängige einem Drogenprogramm zu unterwerfen – mit Kosten von $1000 je Injektion

von PAUL ANTHONY TAYLOR

Die Vereinigten Staaten befinden sich derzeit im Würgegriff einer Opiodabhängigkeit von epidemischem Ausmaß. Über 60000 Amerikaner werden dieser Sucht in diesem Jahr voraussichtlich zum Opfer fallen. Währenddessen mehren sich die Hinweise, dass die Pharmaindustrie gewillt ist, aus dieser Situation Profit zu schlagen. Einem alarmierenden Bericht von ProPublica zufolge hat das Biopharma-Unternehmen Alkermes sein Präparat Vivitrol direkt an die Gerichte vermarktet. Das Medikament wird zur Behandlung von Opiodsüchtigen eingesetzt. Eine Einzeldosis Vivitrol kostet 1000 Dollar. Die perfide Lobbytaktik hat sich offenbar ausgezahlt: Durch das Gericht vor die aussichtslose Wahl gestellt, entweder in den Knast zu wandern oder am Injektionsprogramm teilzunehmen, trugen Opiodabhängige, indem sie sich für Vivitrol entschieden, zu einer Absatzsteigerung von fast 700 Prozent seit 2011 bei. Im Jahr 2016 erreichten die Verkäufe insgesamt 209 Millionen US-Dollar.

Überschwemmt mit verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln wie Fentanyl (ein synthetisches Opiod, dessen Wirkung die von Morphium 50 bis 100 mal übertrifft) oder wie dessen tödlichem Analogon Carfentanil (eine Substanz, die in so winzigen Mengen zum Tod führt, dass es als mögliche terroristische Bedrohung angesehen wird), verursacht die Überdosierung solcher Medikamente inzwischen durchschnittlich alle zehn Minuten einen Todesfall in den USA. Schätzungsweise sind über 2 Millionen Amerikaner opiodsüchtig, wobei die Abhängigkeit von einem Medikament zum anderen übergehen kann. Aus Sicht der Pharmaindustrie ist dies daher ein äußerst lohnender Markt. So erwartet Alkermes bei seinen Vivitrol-Verkäufen einen Zuwachs auf 800 Millionen US-Dollar im Jahr 2020. Einige Schätzungen sehen das Präparat gar für Einnahmen in Höhe von $1 Milliarde im Jahr 2021 verantwortlich.

Die Abhängigkeit von Pharmaka zurückdrängen

Von Brian Turner (Flickr: My Trusty Gavel) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Den emporschießenden Raten von Opiodsucht und Überdosierungen sowie den sich infolgedessen häufenden Todesfällen treten verschiedene amerikanische Bundesstaaten entgegen, indem sie betreffende Pharmahersteller verklagen. Diesem Kampf hat sich zuletzt auch South Carolina angeschlossen, als es kürzlich ankündigte, die Firma Purdue zu verklagen wegen ihrer unfairen und betrügerischen Vermarktung des Opiod-Schmerzmittels OxyContin. Reuters berichtet, dass Purdue und andere Pharmaunternehmen bereits zum Gegenstand von Gerichtsprozessen geworden sind in den Staaten Oklahamo, Mississippi, Ohio, Missouri und New Hampshire sowie in Städten und Counties in Kalifornien, Illinois, Ohio, Oregon, Tennessee und New York.

Es scheint wenig Zweifel daran zu geben, dass noch mehr Verfahren folgen werden. Von der Stadt Tolland im Bundesstaat Connecticut wird berichtet, dass sie die Möglichkeit prüft, der geplanten Anklage durch die Stadt Waterbury beizutreten. Insgesamt ziehen 10 Städte im Bereich Connecticuts dieses Vorgehen in Betracht. Von einer New Yorker Anwaltskanzlei heißt es, sie wolle die Gemeindeverwaltungen sogar unentgeltlich vertreten.

Wen wird die Pharma als nächstes ins Visier nehmen?

Von Kiwiev (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons

Da Alkermes anscheinend nichts Falsches darin sieht, das System der Strafjustiz zum Tummelplatz firmeneigener Lobbyinteressen zu machen und Richter zur Profitsteigerung einzuspannen, kann man sich bloß noch verwundert fragen: Was fällt der Pharmaindustrie als nächstes ein?

Vielleicht beeinflusst sie die Versicherungen dahingehend, Druck auf die Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen auszuüben, damit diese zu Statinen greifen, ansonsten ihnen die Versicherungspolicen entzogen werden? Könnten die Firmen darauf drängen, Krebspatienten ihre Versicherung zu streichen, falls diese es ablehnen, sich der Chemotherapie zu unterziehen? Bevor Sie diese Szenarien als überzogen abtun, denken Sie daran, dass Patienten schon jetzt in einigen Situationen gegen ihren Willen zur Anwendung von Pharmapräparaten gezwungen werden können. Darunter zu nennen sind Kinder und Heranwachsende mit der Diagnose Krebs oder anderen ernsthaften Krankheiten; Menschen, denen unterstellt wird, an mentalen Erkrankungen zu leiden; Personen, denen die Fähigkeit abgesprochen wird, die Folgen ihres Tuns oder ihrer Entscheidungen zu verstehen. Wenn sich also Alkermes im Interesse des Profits so dermaßen dreist der Instrumentalisierung des Strafjustizsystems bedient, müssen wir davon ausgehen, dass die Pharmaindustrie imstande ist, ihre Lobbyangriffe auf nahezu jeden und alles auszuweiten.

Doch egal welche Taktik die Pharmaindustrie verfolgt, eines ist schon jetzt gewiss: Indem sie Erlöse in Milliarden Dollar Höhe aus dem Verkauf von extrem abhängig machenden, narkotischen Schmerzmitteln zieht, derweil sie vorgibt, jene Substanzen seien für einen dauerhaften Gebrauch geeignet, haben diese Unternehmen zur Genüge unter Beweis gestellt, dass sie moralisch am Ende sind und rücksichtslos von der Profitgier angetrieben werden. Während also das Verklagen der Pharmaindustrie wegen der durch Opiode zustande gekommenen Schädigungen ein wichtiger Schritt ist, muss das langfristige Ziel sein, die auf synthetischen Arzneien basierende Medizin in ein präventives Gesundheitswesen umzuwandeln, welches auf wissenschaftlich begründeten, natürlichen Ansätzen beruht. Solange bis dies erreicht ist, wird die Gesundheit der Menschen weiterhin Geisel des Geschäfts mit der Krankheit bleiben.

22. August 2017

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