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Wie die Billionen schwere Pharmaindustrie ihre Studienergebnisse frisiert

von PAUL ANTHONY TAYLOR

In den letzten hundert Jahren hat die Pharmazeutische Industrie Unsummen ins Marketing gesteckt, um den Anschein zu erwecken, ihre Produkte seien wissenschaftlich begründet. Und sie war mit diesem Betreiben sogar äußerst erfolgreich. Denn der gewünschte Eindruck prägte sich tatsächlich ins öffentliche Bewusstsein ein. Mehr noch: Ganze Generationen von Ärzten und Patienten hingen ihr gesamtes Leben lang der Illusion an, das Anliegen der Pharmaindustrie wäre die Verbesserung der Gesundheit der Menschheit. Nicht nur ist diese Vorstellung nachweislich falsch, sondern üblicherweise sind auch die Studien, welche die angebliche Wirksamkeit der Pharmapräparate unter Beweis stellen sollen, geschönt und zurechtgebogen.

Da die Produkte der Arzneimittelhersteller eine derartige Unmenge schwerer Nebenwirkungen hervorrufen können – darunter etliche Wirkstoffe, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein –, überrascht es mitnichten, dass Wirksamkeitsstudien auf die ein oder andere Weise manipuliert worden sind. Wie gering wären ansonsten die Chancen auf Zulassung eines solchen Wirkstoffs? Um zu verstehen, wie dieses Geschäft funktioniert, lassen Sie uns einen genaueren Blick auf einige der Methoden werfen, mit denen wir an der Nase herumgeführt werden.

Schlechte Ergebnisse unter den Teppich kehren

Stellen Sie sich einen Hypnotiseur vor, der auf seiner Webseite darüber berichtet, dass jeder Raucher, den er im vergangenen Jahr behandelt habe, daraufhin seine Qualmerei aufgegeben hätte. Zweifellos würde er binnen kurzem mit neuen Patienten geradezu überschwemmt werden, die begierig seine Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Was aber, wenn sich später herausstellt, dass er entgegen seiner Behauptungen nur jene Patienten angegeben hat, denen es schließlich gelungen ist, dem Rauchen zu entsagen, jedoch alle anderen seiner Patienten weggelassen hat? Die ihm zuströmenden neuen Patienten würden sich vollkommen zu Recht betrogen sehen.

Tatsächlich aber ist es auf Seiten der Pharmaindustrie schon seit vielen Jahren gängige Praxis, erfolglose Studien – also solche, bei denen die Ergebnisse nicht den Erwartungen entsprechen – einfach der Berichterstattung vorzuenthalten. Selbst nachdem im Jahr 2015 die sogenannte AllTrials-Initiative ins Leben gerufen wurde (ein Projekt, das sich dafür einsetzt, dass alle durchgeführten klinischen Versuche registriert und ihre Ergebnisse öffentlich zugänglich gemacht werden sollen), bezieht sich nach wie vor bei nur etwa der Hälfte der bis jetzt untersuchten Arzneimittelhersteller die Firmenpolitik auf Versuchsreihen aus der Vergangenheit. Ebenso wie beim Beispiel des Hypnotisieurs, der nur mit seinen erfolgreich behandelten Patienten wirbt, haben wir somit keine Idee davon, wie viele Pharmaversuche in der Vergangenheit verschwiegen wurden, weil sie zu keinen günstigen Ergebnissen kamen.

Wissenschaftler auf die Gehaltsliste setzen

Ein subtilerer Weg, Ergebnisse zu verfälschen, ist, wenn Pharmaunternehmen jene Institution und/oder Wissenschaftler sponsern, die für sie die Studien anfertigen. Die so geschaffene Abhängigkeit baut unvermeidlich die Erwartung günstiger Resultate auf, da unerwünschte Ergebnisse natürlich einen Entzug der heiß begehrten Finanzierung zur Folge haben könnten.

Wie sich ein derartiger Interessenskonflikt auswirken kann, haben wir bereits ausführlich dargestellt. Unser Beispiel bezog sich auf eine Meta-Analyse, die im November 2015 im medizinischen Fachjournal The Lancet veröffentlicht wurde. Darin gelangten die Autoren zu dem Schluss, es sollten noch viel mehr Menschen mit Medikamenten zur „intensiven Blutdruck-Senkung“ behandelt werden, um so deren Herzinfarkt- bzw. Schlaganfallrisiko zu verringern. Eingang in die Analyse fanden 19 handverlesene Studien. Basierend auf dieser Auswahl stellten die auswertenden Autoren die Behauptung auf, alle Menschen mit dem bloßen Verdacht auf ein Risiko seien behandlungsbedürftig – selbst wenn ihre aktuellen Blutdruckwerte normal sind und ungeachtet der Gefahr der medikamentösen Nebenwirkungen.

Massenmedien griffen die Meta-Analyse überschwänglich auf und sorgten für die Verbreitung der darin getroffenen Aussagen. Bezeichnenderweise unterließen sie es aber, ein Augenmerk auf die Tatsache zu richten, dass gut die Hälfte der Studienautoren Verbindungen zu multinationalen Pharmaunternehmen aufwies oder dass sie pharmaorientierten Forschungsinteressen auf andere Weise verpflichtet waren. Vergebens suchte man in der Berichterstattung die Erwähnung finanzieller Abhängigkeiten, in der diese Forscher zur Pharmaindustrie bzw. zu deren Interessensvertretern standen. Zwar wurden die kruden Auslegungen des Autorenteams weltweit in Zeitungen abgedruckt, allerdings nirgends ein Wort davon, dass unter den geflossenen Geldleistungen Stipendien, Honorare, Reisekostenerstattungen, Provisionen und Gehaltszuschüsse waren. Keine Rede davon, dass einige der Forscher Posten in Lenkungsausschüssen oder Beiräten von Pharmaunternehmen bekleideten. – Ein besorgniserregendes Versagen der Medien.

Übertreiben von Ergebnissen

Greifen wir wieder unser Beispiel des Hypnotiseurs auf, der angibt, soundso vielen Menschen geholfen zu haben, mit dem Rauchen aufzuhören. Stellen wir uns vor, er hätte 100 Patienten gehabt, und 12 davon hätten es geschafft, ihrem Laster zu entsagen. Wenn wir annehmen, dass – wie einige Untersuchungen es nahe legen – normalerweise nur ungefähr 6 Prozent der Menschen, die versuchen, mit dem Rauchen Schluss zu machen, dies auch schaffen, so bedeutet dies auf den Hypnotiseur übertragen – durch dessen Hilfe ja 12 von 100 Menschen erfolgreich sind – eine Erhöhung um 6 Prozent verglichen mit der normalerweise zu erwartenden Quote. In der Statistik ist solche Bezugnahme bekannt als Verwendung absoluter Zahlen.

Doch wenn der Hypnotiseur seine Ergebnisse übertreiben und sie etwas eindrucksvoller darstellen will, könnte er stattdessen die relative Steigerungsrate seiner Patienten angeben. Ausgedrückt in relativen Verhältnissen entspricht die Erhöhung von 6 auf 12 Prozent einer Verdoppelung, also einem Zuwachs um 100 Prozent. In der Eigenwerbung auf der Webseite unseres Hypnotiseurs könnte es demnach heißen, dass bei Inanspruchnahme seiner Dienste Ihre Chancen, mit dem Rauchen aufzuhören, um 100 Prozent höher liegen.

Es überrascht nicht, dass aus dieser Motivation heraus die Ergebnisse von Pharmaversuchen oftmals in Form relativer Werte angegeben werden. Eine Veröffentlichung aus dem Jahr 2011 nahm sämtliche medizinischen Studien unter die Lupe, die in den sechs einflussreichsten Fachzeitschriften im Zeitraum zwischen dem 1. Juni 2008 und dem 30. September 2010 publiziert wurden. Heraus kam, dass 44 Prozent der Studien-Abstracts (das sind die kurzen Zusammenfassungen am Beginn jeder Veröffentlichung) ihre Resultate ausschließlich anhand relativer Zahlen präsentierten – anstelle von absoluten Angaben. Und die unweigerliche Konsequenz dieser Vorgehensweise ist natürlich eine weitaus größere Aufmerksamkeit und letztlich Nachfrage der betreffenden Pharmaprodukte, sobald in der anschließenden Berichterstattung solche relativen Angaben medial verbreitet werden.

Junge Probanden einsetzen und unvollständige Daten präsentieren

Marcia Angell, MD
Public domain via Wikimedia Commons

In ihrem Buch „Der Pharma-Bluff. Wie innovativ die Pillenindustrie wirklich ist“ weist die Medizinerin Marcia Angell, vormals Chefredakteurin des New England Journal of Medicine, auf zwei grundsätzliche Methoden der Pharmaindustrie hin, um Studien aufzuhübschen. Zum einen würden „für die Studien junge Teilnehmer angeworben, selbst wenn die getesteten Medikamente in erster Linie für ältere Menschen vorgesehen sind. Weil junge Menschen im Allgemeinen weniger anfällig für Nebenwirkungen sind, erscheinen die Medikamente dadurch sicherer.“ Eine andere Methode ist, „nur einen Teil der Daten zu präsentieren – jenen Teil, der das Produkt glänzen lässt – und den Rest zu ignorieren“, erklärt Angell.

Als wäre dies nicht schon schlimm genug, räumt Angell ein, dass „Versuche auf dutzende Weise verfälscht werden können“ und dass „es jederzeit geschieht“. Fazit ist, dass Pharmaunternehmen in ihrer Gier um immer höhere Profite nahezu alles zu tun bereit sind, ihre Produkte sicherer und wirksamer aussehen zu lassen, als sie es tatsächlich sind.

 

 

Natürliche Gesundheit als Menschenrecht verwirklichen

Das skrupellose Wesen der Pharmaindustrie wird in einer Fülle von Belegen deutlich. Angesichts dessen stellt diese Branche selbst zweifellos das größte Hindernis für die Gesundheit dar. Wenn wir also das Ziel einer präventiven Gesundheit für alle verwirklichen wollen, kommen wir nicht umhin, dem Geschäft mit der Krankheit ein Ende zu machen. Die Chance dazu haben wir. Denn die Ansätze der Ernährungswissenschaft und Zellular Medizin ermöglichen uns heute, Krankheiten, welche gegenwärtig jährlich Millionen Menschen das Leben kosten, einzudämmen, ja sogar weitgehend zu beseitigen. Jedoch steht dieses Bestreben im krassen Widerspruch zu dem Interesse einer Industrie, die Krankheiten als Marktplatz unabweislich benötigt; einer Industrie, die auf dieser Geschäftsgrundlage mittlerweile mehr als 1 Billion Dollar im Jahr umsetzt. Kein Wunder also, dass sich diese Industrie aufs Heftigste gegen eine Eindämmung von Krankheiten stemmt.

Das Weltwirtschaftsforum hat vorausberechnet, dass sich im Jahr 2030 die globalen ökonomischen Kosten für die fünf größten chronischen Krankheiten – Krebs, Diabetes, mentale Erkrankungen, Herzkrankheiten und Atemwegserkrankungen – auf 47 Billionen Dollar belaufen würden. Wir haben also keine Zeit zu verlieren. Oder um es unmissverständlich zu sagen: Wir haben die Wahl, Krankheiten wirksam, auf sichere und natürlichen Weise vorzubeugen, oder wir lassen zu, dass unsere Gesundheitssysteme vor die Wand gefahren werden. Aus dieser Situation die richtigen Schlüsse zu ziehen, fällt jedem leicht. Es sei denn, man ist selbst Akteur oder Interessensverteidiger der Pharmazeutischen Industrie.

10. Oktober 2017

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