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Historische Analogien: William Harvey – ein Arzt der verstand, dass er seiner Zeit voraus war

von Paul Anthony Taylor und Mirja Holtrop

Der englische Arzt William Harvey (1578-1657) versetzte Meilensteine im Bereich der Anatomie: Er war der Erste, der detailliert den menschlichen Blutkreislauf erforschte und beschrieb.

Harveys Entdeckungen zeigen, dass einige von Galens Vorstellungen komplett falsch waren. (Galen war ein griechischer Arzt und für länger als tausend Jahre der ‚Gründervater der etablierten Medizin’.) Zum Beispiel ging Galen davon aus, dass der menschliche Körper zwei voneinander getrennte Blutkreisläufe hat, venöses Blut würde in der Leber hergestellt und arterielles Blut im Herz. Harvey fand heraus, dass es nur ein Blutsystem gibt und dass das Herz die gesamte Blutmasse durch den Körper pumpt. Er beschrieb genau, wie der Pulsschlag und die Öffnungen der jeweiligen Herzklappen in Zusammenhang stehen und wie der Herz-Lungen-Kreislauf funktioniert.

Diese Ergebnisse waren bahnbrechend. Er forschte weiter und förderte immer mehr Erstaunliches zutage, zum Beispiel die kleinen Venenklappen, die das Blut zwar in eine Richtung fließen lassen, nicht aber in die andere. Es wurde bislang angenommen, dass diese Klappen einen Rückstau von Blut durch Schwerkraft verhindern sollen. Harvey aber bewies, dass sie kardiozentrisch ausgerichtet sind. Das heißt sie verhindern, dass Blut zum Herzen in die entgegengesetzte Richtung zurückfließt.

Harvey machte Schätzungen, wie viel Blut sich im Körper befindet, indem er Herz und Herzklappen untersuchte und eine ungefähre Ahnung bekam, wie viel Blut das Herz pro Minute ausstößt. Er zählte akribisch die Anzahl der Herzschläge und machte eine erstaunliche Entdeckung: Das Herz pumpt pro Minute zwischen einem halben und einem Liter Blut. Da der Körper soviel Blut nicht so schnell herstellen kann, folgerte Harvey zu Recht, dass das Blut durch den Körper gepumpt werden muss. Heute wissen wir, dass ein Herz bei Ruhe 4 Liter Blut pro Minute durchpumpt und bis zu 25 Liter bei Anstrengung.

Entscheidend ist, dass Harvey früh das politische Ausmaß seiner Entdeckungen verstand. Er wusste, er kann als Ketzer diffamiert werden, da dies zuvor schon anderen bedeutungsvollen Forschern passiert war. Er wusste, dass 1600 Giordano Bruno auf dem Scheiterhaufen in Rom umkam, weil er Kopernikus’ Thesen verbreitete, dass die Erde eine Kugel ist und keine Scheibe, und dass Rom nicht der Mittelpunkt des Universums ist.

Harvey verstand also, dass die geschichtlichen Analogien eine Warnung waren, sodass jeder begreifen sollte, wozu Kirche und Adel fähig waren, wenn jemand die Wahrheit sprach. Also bekundete Harvey stets, dass Galen nicht falsch lag, sondern dass sich der menschliche Körper eben seitdem fortwährend verändert hatte! Durch diesen einfachen Trick vermied Harvey Verfolgung und Gerichtsprozesse und wurde weitestgehend in Ruhe gelassen.

Harveys wichtigstes Werk: Exercitatio Anatomica de Motu Cordis et Sanguinis in Animalibus (Anatomische Studien über die Bewegung des Herzens und des Blutes bei Tieren) wurde 1628 veröffentlicht. Die englische Version folgte 1653.

Ich behaupte, gleichzeitig Anatomie zu lehren und zu lernen, nicht aus Büchern, sondern aus Autopsien, nicht von philosophischen Meinungen, sondern von der Natur selbst.

Trotz dieses wissenschaftlichen Durchbruchs, hat Harveys Arbeit nicht die Anerkennung bekommen, die man erwartet hätte. Ärzte, die grundsätzlich bislang nach Galen gearbeitet hatten (Aderlass und Abführen), hätten sich sonst eingestehen müssen, dass sie jahrelang mit ihren Annahmen falsch lagen. Auch die Kirche tolerierte Harvey zwar, aber unterstützte ihn keineswegs.

Galens Bücher und Sichtweise auszutauschen, war verboten, mit der Begründung, es handele sich bei Harveys Erkenntnissen lediglich um nicht bewiesene Theorien. Da das Mikroskop noch nicht erfunden war, konnte Harvey zeitlebens seine Forschungsarbeiten nicht beweisen. Deswegen hatte seine Arbeit zu seiner Lebzeit wenig Einfluss auf die gängige Medizin. Trotzdem hatte er einige sehr wohlhabende und einflussreiche Patienten, darunter Könige und Aristokraten, die seine Dienste sehr schätzten.

Harvey realisierte, dass er seiner Zeit voraus war. Da er das verstand, war er erfolgreich darin, die Autoritäten bei Laune zu halten und sie im Glauben zu lassen, sie hätten alles unter Kontrolle. Dadurch konnte er frei praktizieren und rettete viele Menschenleben. Auch sein eigenes.

31. Oktober 2017

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