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"Richtige Ernährung ist das erste Medikament gegen AIDS"

Mit einer besseren Ernährung könnten arme Bauern mit AIDS ihr Leben lange genug verlängern, um ihr Wissen und ihre Erfahrung an ihre Kinder weiterzugeben

ROM (FAO / 29. November 2002) -- Die richtige Ernährung kann die weitere Entwicklung von einer HIV-Infizierung zu AIDS-Krankheiten verzögern. Denn eine gute und ausgewogene Ernährung verbessert die Lebensqualität der Menschen, die mit der Krankheit leben, und fördert die Leistung des Immunsystems – des Schutzmechanismus unseres Körpers gegen Infektionen.

Aber die armen Bauern in den Entwicklungsländern, denen eine angemessene und ausgewogene Ernährung fehlt, sterben an AIDS, bevor sie ihr Wissen über Ackerbau an ihre Kinder weitergeben können. Mit einer besseren Ernährung könnten diese Eltern einige entscheidende Jahre länger leben und hätten die Energie, ihre Kinder auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten. Der Lebensmittelverbrauch in Afrika ist in Haushalten, die von der Krankheit betroffen sind, um 40 Prozent zurückgegangen.

„Die richtige Ernährung ist das erste Medikament gegen HIV/AIDS – und oft auch das einzige“, so Marcela Villarreal, Expertin für AIDS bei der Welternährungsorganisation FAO. „So tragisch es auch ist, seine Eltern zu verlieren, so besteht doch ein großer Unterschied darin, ob man mit 15 Jahren oder schon mit 7 Jahren zur Waise wird. Wenn die Eltern nur einige Jahre länger leben könnten, so hätten sie die Möglichkeit, ihre Kinder mit auf die Felder zu nehmen und ihnen zu zeigen, was sie tun müssen.“

Sie fährt fort: „Zurzeit leben die Menschen, die mit dem Virus infiziert sind und keine entsprechenden hygienisch zubereiteten Lebensmittel zu sich nehmen, nur zwei Jahre, nachdem die Krankheit AIDS voll ausgebrochen ist. Sie sind häufig ans Bett gefesselt und zu schwach, um die Felder bestellen zu können.“

Eine Studie in Kenia hat gezeigt, dass nur in sieben Prozent der landwirtschaftlichen Haushalte, denen verwaiste Kinder oder Jugendliche vorstehen, ein angemessenes Wissen über Ackerbau vorhanden ist. In einer Region wie Sub-Sahara-Afrika, in der HIV/AIDS elf Millionen Kinder zu Waisen macht, könnte die Verlängerung des Lebens eines Elternteils um einige Jahre den Unterschied zwischen Leben und Tod für die zurückgelassenen Kinder bedeuten.

Kombination von Ernährungshilfe mit langfristigen Maßnahmen

Die Botschaft der Welternährungsorganisation FAO hinsichtlich Ernährung und AIDS – zum Welt-AIDS-Tag am 2. Dezember – kommt zu einer Zeit, in der schätzungsweise 14 Millionen Menschen in Südafrika aufgrund von Trockenheit, wirtschaftlichen und zivilen Problemen sowie den Folgen der HIV/AIDS-Epidemie vom Hungertod bedroht sind.

Die FAO setzt sich dafür ein, Ernährungshilfe mit langfristigen Maßnahmen zur Sicherung der Nahrungsmittelversorgung zu kombinieren, z. B. durch die Einführung von Feldfrüchten, die mit weniger Arbeitsaufwand angebaut werden können. „Die Entwicklung der ländlichen Regionen, die Agrarpolitik und die Sicherung der Nahrungsmittelversorgung können nicht unabhängig von der HIV/AIDS-Epidemie durchgeführt werden“, so Frau Villarreal. „Die Problematik HIV/AIDS muss systematisch in die Pläne zur Bewältigung und Vorbeugung von Nahrungsmittelversorgungskrisen in endemischen Gebieten eingebunden werden. Wenn dies nicht gelingt, ist das Leben von Millionen von Menschen bedroht.“

Große Kampagne für eine weniger arbeitsintensive Landwirtschaft

In Mosambik und Sambia unterstützt die FAO mit Projekten im Gesamtwert von US$ 6,8 Millionen den Low-Input-Anbau kostengünstiger und arbeitsunaufwändiger Feldfrüchte wie Obst, Gemüse und Maniok sowie die Haltung kleiner Tiere. Diese Techniken verringern die Belastung für die Haushalte, die erwachsene Familienmitglieder verloren haben und hauptsächlich aus Kindern und Jugendlichen bestehen.

FAO-Ernährungswissenschaftler Karel Callens, der bis vor kurzem im schwer von AIDS gezeichneten nördlichen Sambia war, berichtet, dass die Situation in diesem Teil Afrikas so schlimm sei, dass verwaiste Kinder in den Straßen herumlaufen, die weder von der Familie noch von Nachbarn aufgenommen werden – eine Situation, die es im ländlichen Afrika so noch nie gegeben hat. Einige dieser Waisen fanden Aufnahme in einem Waisenhaus der Kirche. Die FAO half dem Waisenhaus, einen Gemüsegarten anzulegen, so dass die Kinder lernen konnten, Nahrungsmittel anzubauen, um sich selbst zu ernähren und mit dem Verkauf von Obst und Gemüse etwas Geld zu verdienen.

Kochen für Menschen mit AIDS

Eine weitere Initiative soll helfen, die Ernährung von Menschen zu verbessern, die an HIV und AIDS leiden. Die FAO wird zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation WHO in Kürze einen Ratgeber für das Leben mit HIV/AIDS herausgeben. Dieser Ratgeber informiert über die richtige Ernährung und Unterstützung für Menschen, die mit HIV/AIDS leben. Viele der mit AIDS verbundenen Symptome – z. B. Diarrhö, Gewichtsverlust, Entzündungen in Mund und Rachen, Übelkeit und Erbrechen – lassen sich mit der richtigen Ernährung in den Griff bekommen. Der Ratgeber enthält praktische Ratschläge zur Umsetzung in armen Haushalten.

Ehemals vorwiegend ein Problem in den Städten, sind nun auch die ländlichen Gegenden von HIV/AIDS betroffen. Die Krankheit ist nicht länger einfach nur ein Gesundheitsproblem, sondern vernichtet ganze Gesellschaften und macht somit eine Reihe breit angelegter politischer Maßnahmen erforderlich. Die FAO fördert die richtige Ernährung von Menschen, die mit der Krankheit leben und versucht aktiv die Auswirkungen auf die Sicherheit der Nahrungsmittelversorgung, die Ernährung und den Lebensunterhalt zu mildern. Darüber hinaus unterstützt die FAO Regierungen und Institutionen bei der Entwicklung von Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie.

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